Artikel in der Financial Times: „Die europäischen Skiorte treten in die Fußstapfen Nordamerikas“.
Condo-Hotels, Abonnementdienste und US-amerikanische Skiveranstalter halten Einzug auf der anderen Seite des Atlantiks. Doch werden damit auch hohe Kosten einhergehen?
Skifahren lässt sich in vielerlei Hinsicht leicht beschreiben – man sucht sich den Schnee, schnallt sich die Skier an und fährt den Hang hinunter –, doch das Gesamterlebnis beim Skifahren unterscheidet sich erheblich, je nachdem, ob man in Nordamerika oder in Europa auf die Piste geht.
Während die Europäer in ihren Skischuhen auf den Tischen der „La Folie Douce“ tanzen, sitzen Skifahrer jenseits des Atlantiks eher am Familienkamin und rösten ihre S’mores. In Europa gibt es urige Bergrestaurants, die sich ideal für häufige Glühweinspausen eignen, während sich die Amerikaner auf die „Vertikalen“ konzentrieren und mit den Gipfeln und dem Pulverschnee prahlen, die sie befahren haben. Und man möchte sich gar nicht vorstellen, wie amerikanische Skifahrer, die an geordnete Warteschlangen an den Liften gewöhnt sind, auf das „Jeder für sich“-Chaos einer italienischen Warteschlange reagieren.
„US-Skiorte waren schon immer unglaublich gut organisiert und bringen Skifahrer aus ihren Autos und den Berg hinauf, ohne das Parkplatzchaos, das man in Europa sieht“, sagt Charlie McKee von Alpine Property Intelligence, einer Kaufagentur. In Courchevel hat eine neu errichtete Anlage dieses Konzept übernommen: Im Dorf Le Praz verfügt das Servicezentrum „Alpinium“ über ein Parkhaus, das mit einer Gondelbahn verbunden ist, die Skifahrer in sechs Minuten nach Courchevel 1850 bringt.
„Die Europäer haben urige Bergrestaurants, ideal für eine Pause mit Glühwein, während die Amerikaner sich auf die ‚Vertikalen‘ konzentrieren und mit den Gipfeln und dem Pulverschnee prahlen, die sie befahren haben.“
Das ist nicht die einzige nordamerikanische Skitradition, die ihren Weg nach Europa findet. Condo-Hotels, Abonnementdienste und US-amerikanische Skiveranstalter selbst sind ebenfalls auf dem Vormarsch.
Condo-Hotels, auch als Apart-Hotels bekannt, sind einzelne Wohneinheiten, die von einem angeschlossenen Hotel vollständig betreut und verwaltet werden. Sie sind in der Regel mit der Verpflichtung verbunden, die Immobilie für bestimmte Zeiträume zu vermieten, solange sie leer steht – was viele Eigentümer anspricht, sagt Giles Gale, Gründer von Alpine Property Finders.
„Skiorte möchten leerstehende Unterkünfte vermeiden – Häuser, die ungenutzt bleiben –, und das Condo-Hotel-Modell sorgt dafür“, sagt er. „Österreich war eines der ersten Länder in Europa, das dieses Modell einsetzte, häufig in familiengeführten Hotels, die zu Apart-Hotels umgebaut wurden. Der Hotelier erhält ein saniertes Hotel, der Bauträger kann durch den Verkauf von Wohnungen zur Finanzierung beitragen, und die Eigentümer erhalten eine Ferienimmobilie mit umfassendem Service sowie jemanden, der die Vermietung übernimmt, wenn sie ihre Immobilie nicht selbst nutzen.“
Die Schweiz ist nun in diesen Markt eingestiegen, mit Projekten in Grimentz, deren Preise ab 659.000 Schweizer Franken (750.000 US-Dollar) bei Alpine Property Finders beginnen. Das neueste Schweizer Condo-Hotel-Projekt, das hier erstmals angekündigt wird, befindet sich im Skiort Andermatt. Das „Alpinist“ wird ein Fünf-Sterne-Hotel mit 66 Zimmern und 164 Residenzen sein, wobei die Preise für Studios bei 595.000 Schweizer Franken beginnen. Die Warteliste für den Kauf ab Plan wird im nächsten Monat eröffnet. „In Andermatt gibt es bereits zwei Condo-Hotels“, sagt Russell Collins, Chief Commercial Officer bei Andermatt Swiss Alps, doch „The Alpinist orientiert sich stärker am US-amerikanischen Modell“, fügt er hinzu und verspricht einen Ansatz, „der auf einer starken Gemeinschaft und einer gemeinsamen Leidenschaft für die Alpen basiert“. „The Alpinist“ wurde vom norwegischen Architekturbüro Snohetta entworfen und wird über Andermatts größtes Spa sowie einen dreistöckigen Fitnessbereich verfügen.
Abonnementdienste – bei denen Skifahrer eine Gebühr für den uneingeschränkten Zugang zu den weltweiten Skiorten eines Unternehmens zahlen – sind ein weiteres von den USA inspiriertes Konzept, das auf den Aufbau einer Gemeinschaft abzielt und immer mehr Amerikaner dazu animiert, in Europa Ski zu fahren. Vail Resorts besitzt und verwaltet 37 nordamerikanische Skiorte, darunter die Giganten Vail und Whistler Blackcomb, sowie drei in Australien. Im Jahr 2022 erwarb das Unternehmen eine Mehrheitsbeteiligung an Andermatt-Sedrun und nahm in diesem Jahr Crans-Montana in sein Portfolio auf. Der jährliche „Epic Pass“ ermöglicht unbegrenzten Zugang zu allen Skigebieten im Besitz von Vail sowie zu Partner-Skigebieten wie Verbier, Les 3 Vallées in Frankreich und Ski Arlberg in Österreich.
Vail Resorts plant, in den nächsten fünf Jahren rund 30 Millionen Schweizer Franken in Crans-Montana zu investieren, um die Beschneiungskapazitäten auszubauen und die Gastronomie zu verbessern. Ziel sei es, „dem Skiort zu ermöglichen, mit weniger Energie und Wasser mehr Schnee zu produzieren und eine frühere Saisoneröffnung zu ermöglichen“, sagt Laura Bonfiglio von Vail Resorts. In den vergangenen zehn Jahren habe das Unternehmen mehr als 2 Mrd. US-Dollar in seine Skiorte investiert, so Bonfiglio.
Diese geplante Investition in Crans-Montana wirkt sich bereits auf die Zahl der internationalen Besucher aus, sagt die vor Ort ansässige Cassandra Levene, Geschäftsführerin von Alpine Homes International. „Crans brauchte etwas Neues. Dieser Winter wird die erste Saison unter der Leitung von Vail Resorts sein, und der Schwung, den das Unternehmen bereits verliehen hat, ist spannend – mit der Eröffnung neuer Modemarken und Restaurants wie La Ferme Saint-Amour sowie der Ansiedlung von Six Senses“, sagt Levene, die Kunden aus Singapur und den USA betreut, die dauerhaft in den Skiort ziehen.
Die Investition von Vail Resorts in Crans sei nicht ohne Kritik geblieben, merkt McKee an; es seien Vorwürfe wie „McSki“ laut geworden, doch sowohl für den Skiort als auch für die lokalen Hausbesitzer sehe er darin einen dringend benötigten Impuls. „Es ist eine hervorragende Gelegenheit, Crans, das eine alternde Bevölkerung hatte, einem neuen Publikum zugänglich zu machen“, sagt er. Die Preise in Crans-Montana liegen laut Zahlen der UBS für 2023 mindestens 40 Prozent unter denen von Verbier, seinem Pendant im Wallis.
Hohe Kosten sind ein Merkmal nordamerikanischer Skiorte, von dem Skifahrer sich wünschen würden, dass es nicht importiert würde. In dieser Saison zahlen Skifahrer in Aspen bis zu 179 US-Dollar für einen Tages-Skipass, verglichen mit 79 Euro in den französischen „Les 3 Vallées“; Giles Gale argumentiert jedoch, dass diese zusätzlichen Einnahmen für Verbesserungen der Infrastruktur verwendet werden.
„In kleineren europäischen Skiorten kann es aufgrund der historischen Entwicklungsgeschichte schwierig sein, neue Investitionen zu gewinnen“, sagt er. „Abgesehen von den eigens dafür errichteten französischen Skiorten befinden sich viele Skiorte auf Grundstücken, die ursprünglich Bauernfamilien gehörten, in Dörfern, die sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt haben. In Nordamerika wuchsen die Skiorte weniger organisch, sondern wurden meist nach einem Gesamtplan angelegt. Das bietet Skifahrern enorme Annehmlichkeiten, oft jedoch ohne den Charme der Alpen – ein Grund, warum viele Amerikaner zum Skifahren nach Europa kommen. Es ist ebenso sehr ein kulturelles wie ein sportliches Erlebnis.“
Die schrittweise Entwicklung in Europa bedeutet auch, dass die Eigentumsverhältnisse bei Skiliften, Hotels und lokalen Unternehmen oft zersplittert sind. In Nordamerika sind die Eigentümer und Betreiber der Liftanlagen häufig an Hotels und Unterkünften beteiligt, was ihnen einen Anreiz bietet, die Pisten so lange wie möglich in der Saison offen zu halten. Die Investition von Vail Resorts in Crans-Montana umfasst die Mehrheitsbeteiligung an der Skianlageninfrastruktur sowie eine Skischule, eine Immobiliengesellschaft und elf Restaurants.
„Für Immobilienkäufer bietet ein Reiseziel oft mehr Sicherheit und Vertrauen, wenn ein gemeinsames Interesse daran besteht, den Betrieb des Skiorts reibungslos für alle zu gestalten“, sagt Collins.
Wo würde sich Gale, ein lebenslanger Skifahrer mit einer Familienimmobilie in den österreichischen Alpen, zum Skifahren entscheiden? „Wenn man es sich leisten kann, ist das Skifahren in Nordamerika außergewöhnlich, erstklassig und professionell organisiert“, sagt er. „Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich für eine Woche intensiven Skisports, bei dem ich die Pisten richtig ausreize, nach Nordamerika fahren; wenn ich jedoch einen unterhaltsamen Skiurlaub verbringen möchte, bei dem ich Zeit auf und abseits der Piste mit Freunden und Familie verbinge, würde ich definitiv nach Europa fahren.“